Ihre
Haare trägt sie lila
gefärbt, die Fingernägel hat sie hellblau lackiert. Ihr Rock ist
knallgelb und ihre Leinenturnschuhe sind giftgrün. Lara Szabowski
fällt auf -- gerade jedoch durch ihre schnelle, präzise Antwort und
nicht durch ihren individuellen Stil. „Es müsste vom Beat und der
Zeit her passen“, analysiert sie das Problem, das sich ergibt, wenn
zwei unterschiedliche Musikstücke gleichzeitig abgespielt werden.
Szabowski,
13 Jahre alt und Schülerin des Max-Planck-Gymnasiums, sitzt zusammen
mit 19 anderen Schülerinnen im großen Seminarraum des
Exzellenzclustergebäudes und lauscht dem Vortrag „Wie Informatik
DJs hilft“. Bereits seit zwei Tagen läuft das UniCamp auf
Hochtouren. Insgesamt 40 Schülerinnen aus den Klassenstufen 8 bis 9
nehmen dran teil. Fünf Tage am Stück verbringen sie auf dem Campus,
können Freizeitaktivitäten genießen, aber auch die Fachrichtungen
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik erkunden: http://www.uni-saarland.de/verwalt/beauftr/frauen/unicamp/Programmflyer_n.pdf.
In diesen sogenannten MINT-Fächern sind die Schülerinnen als
Studentinnen und Absolventinnen in spe so begehrt, dass der
saarländische Bildungsminister Klaus Kessler die Teilnehmerinnen
sogar persönlich begrüßte.
Der
Mittwoch stand dann
ganz im Zeichen der Informatik. Während Studenten der Bioinformatik
den Schülerinnen erklärten, wie ihre Rechenverfahren neue
Medikamente ermöglichen, führte Master-Studentin Mirjam Neu-Weigand
die UniCamper in die allgemeine Informatik ein.
Jonathan
Driedger dagegen
gestaltete seinen Vortrag über Algorithmen, die einen DiscJockey
(DJ) bei der Arbeit unterstützen können, bewusst ganz speziell. Mit
der markanten Brille, dem modischen Kinnbart und dem Ring durch die
Unterlippe könnte der 24 Jahre alte Informatik-Student auch ohne
weiteres als DJ durchgehen, doch Driedgers Antrieb ist die
wissenschaftliche Neugierde. Zum gleichen Thema forscht er in der
Gruppe „Multimedia Information Retrieval & Music Processing“,
die von Meinard Müller geleitet und vom Cluster
of Excellence on "Multimodal Computing and Interaction"
finanziert
wird.
Das
verschmitzte
Lächeln kann er sich dennoch nicht verkneifen, als er nun hinter
seinen Laptop steht, dass ihm während des Vortrages mit der frei
verfügbaren Software Virtual DJ
auch als Plattenteller dient. Ein Klick auf das Touchpad genügt und
wieder hämmert der Elektrotrack „Curveball“
der Gruppe Elite Force durch den Seminarraum, gefolgt von
„Colours“
(The Prodigy). Lara hatte recht. Curveball erklingt mit 132 Beats per
Minute (bpm), Colours ist mit 147 bpm schneller. Dennoch muss ein DJ
in der Lage sein, das Ende des einen und den Anfang des anderen
Tracks überlappend so abzuspielen, dass sich dieser Übergang gut
anhört. Was in der Szene als „Fading“ bekannt ist, wird in der
Informatik als ein Time-Scaling Problem bezeichnet. Die
Herausforderung besteht darin, die Zeitachse von Audio-Signalen zu
verändern, ohne gleichzeitig die Tonhöhe zu manipulieren. Letzteres
würde sich nämlich äußerst nervend anhören, was Driedger den
Schülerinnen mit dem sogenannten Chipmunk-Effekt
eindrücklich beweist.
In
den kommenden Minuten erklärt er eine mögliche Lösung mit Hilfe
des WSOLA-Verfahrens, was für „Waveform Similarity Overlapp and
Add“ steht.
Auf
seinen Präsentationsfolien werden Schallwellen zu blauen Würsten,
Fensterchen mit roten Rahmen zerstückeln krakelige Schallkurven und
setzen sie zu neuen zusammen. Die realen Ergebnisse spielt Driedger
den Schülerinnen immer wieder vor, die diese mit einem Kopfschütteln
oder einem Lachen kommentieren. Nach dem Vortrag werden sie dann
selber aktiv. In Zweiergruppen mischen sie mit der Software Virtual
DJ und „DJ“ Driedger ihre eigene Musik ab, die sie dann auf CD
gebrannt mit nach Hause nehmen.
Von
der letzten Tischreihe aus beobachtet Estelle
Klein das digitale Komponieren. Am Wochenanfang hatte sie gefragt,
wer von den 40 Schülerinnen sich ein Studium in den MINT-Fächern
vorstellen könne. Vier waren sich zu diesem Zeitpunkt bereits
sicher. Gegen Ende der Woche fragte sie nochmals: Diesmal waren es
schon 16 und zwei weitere wollten es nicht ausschließen.
Für
Lara Szabowski stand bereits am Mittwoch fest, dass sie später mal
Physik studieren möchte. Ihr sei wichtig, ein Fach zu studieren, mit
dessen Abschluss sie möglichst viele Berufe ausüben könne,
begründet sie ihre Wahl. Driedgers DJ-Vortrag habe ihr aber auch
gefallen. „Ansprechend, informativ und vor allem nicht zu viel
Gerede“, lautete ihr abschließendes Urteil.
Der coole Bericht da oben kommt übrigens vom neuesten Mitglied unserer Blog-Runde, dem Informatik-Journalisten Gordon Bolduan ;))
Habt Spaß mit den Videos, Eure Jana